Fachberater/in ADHS in der Apotheke



ADHS im Fokus: Warum die Apotheke heute mehr leisten muss als BtM-Abgabe
ADHS gehört heute zu den häufigsten neuroentwicklungsbedingten Störungen – bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die Datenlage zeigt klar: Die Diagnosehäufigkeit steigt, nicht weil ADHS „neu“ wäre, sondern weil sie besser erkannt wird, sich Klassifikationen weiterentwickelt haben (DSM-5-TR, ICD-11) und ADHS im Erwachsenenalter stärker in den Fokus rückt. Gleichzeitig ist die Versorgung vieler Betroffener lückenhaft. Genau hier kommt der Apotheke eine wachsende Bedeutung zu.


ADHS nimmt zu – die Versorgung hält nicht Schritt
In Deutschland sind rund 4–5 % der Kinder und Jugendlichen von ADHS betroffen. Bei Erwachsenen liegt die Prävalenz nach epidemiologischen Schätzungen bei etwa 2–3 %, diagnostiziert wird jedoch nur ein Bruchteil. Regionale Unterschiede, lange Wartezeiten auf Diagnostik, Fachkräftemangel und eine unzureichende Transition vom Jugend- ins Erwachsenenalter prägen die Versorgungssituation. In vielen Regionen warten Betroffene Monate auf Termine bei Fachärzt:innen oder Therapeut:innen – trotz klarer Symptomatik.
Diese strukturellen Engpässe führen dazu, dass Apotheken häufig die einzigen regelmäßig erreichbaren Gesundheitskontakte für ADHS-Patient:innen und ihre Familien sind.


Die Apotheke: niedrigschwelliger Anker im ADHS-System
Die Apotheke ist kein Ersatz für ärztliche Diagnostik oder Therapie – aber sie ist ein zentraler Bestandteil des Versorgungspfades. Im Alltag übernimmt sie mehrere nachweislich relevante Funktionen:

  • Sichere Arzneimittelversorgung bei ADHS-Medikamenten, insbesondere Stimulanzien unter BtM-Recht (Formalien, Fristen, Dokumentation).
  • Beratung zu Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen, z. B. Einnahmezeitpunkt, Retardpräparate, Appetit- oder Schlafprobleme.Förderung der Therapietreue (Adhärenz) durch regelmäßige Gespräche, Erinnerungshilfen und niedrigschwellige Rückfragen.
  • Interaktions- und Polymedikationsmanagement, besonders relevant bei Erwachsenen mit Begleiterkrankungen.Lotsenfunktion im fragmentierten Versorgungssystem: Information, Einordnung und Weiterverweisung an Ärzt:innen, Therapeut:innen oder Beratungsstellen.


Beratung: fachlich fundiert, empathisch, rechtssicher
ADHS-Beratung erfordert mehr als pharmakologisches Wissen. Eltern und Betroffene bringen häufig Unsicherheiten, Ängste und Vorurteile mit – etwa zu Stimulanzien, Nebenwirkungen oder „Persönlichkeitsveränderungen“. Evidenzbasierte Beratung kann hier entlasten:

  • ADHS ist eine neurobiologische Störung, keine Erziehungsfrage.Stimulanzien führen bei therapeutischer Anwendung nicht zur Abhängigkeit und sind hochwirksam bei Kernsymptomen.
  • Medikamente „heilen“ ADHS nicht, verbessern aber Funktionsfähigkeit und Lebensqualität deutlich.
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen (Verhaltenstherapie, Struktur, Bewegung) sind wichtige Bestandteile eines multimodalen Konzepts.
  • Gleichzeitig kennt die Apotheke ihre Grenzen: Verdacht auf undiagnostizierte ADHS, ausbleibender Therapieerfolg oder schwere Nebenwirkungen gehören in ärztliche Hand.


Ernährung, Lebensstil, Alltag: realistisch einordnen

Fragen zu Ernährung, Supplementen und Lebensstil sind häufig. Die Evidenz ist hier differenziert:

  • Spezielle Diäten oder Zuckerfreiheit zeigen keinen gesicherten Nutzen bei ADHS.
  • Omega-3-Fettsäuren, Magnesium oder Zink können bei Mangelzuständen unterstützend wirken, ersetzen aber keine evidenzbasierte Therapie.
  • Melatonin kann bei ADHS-assoziierten Einschlafstörungen sinnvoll sein.
  • Bewegung, Schlafhygiene, strukturierter Alltag und begrenzter Medienkonsum unterstützen die Symptomkontrolle und die Wirksamkeit der Gesamttherapie.

Die Apotheke hilft hier, Erwartungen zu ordnen und unseriöse Versprechen von belastbaren Fakten zu trennen.

Warum ADHS die Apotheke strategisch betrifft
ADHS ist nicht nur medizinisch, sondern auch volkswirtschaftlich relevant. Direkte Behandlungskosten und hohe indirekte Kosten durch Produktivitätsverluste, Komorbiditäten und soziale Folgen sind gut belegt. Eine kontinuierliche, leitliniengerechte Versorgung senkt langfristig Folgekosten. Apotheken leisten dazu einen Beitrag – durch sichere Versorgung, Adhärenzförderung und frühe Intervention bei Problemen.

ADHS ist auf dem Vormarsch – und die Versorgung steht unter Druck. Die Apotheke entwickelt sich dabei vom reinen Abgabeort zum stabilisierenden Versorgungsanker: fachlich, empathisch und niedrigschwellig. Wer ADHS heute ernsthaft begleiten will, muss mehr leisten als die korrekte BtM-Abgabe. Genau hier liegt eine zentrale Zukunftsaufgabe der Apotheke.


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Lerninhalte


Kapitel 1 – Einführung und Relevanz

  • Bedeutung von ADHS als neurobiologische Störung
  • Epidemiologie und gesellschaftliche Relevanz
  • Wandel des ADHS-Verständnisses (Kinder → Erwachsene)
  • Rolle des Gesundheitssystems und der Apotheke

Kapitel 2 – Krankheitsbilder im Detail

  • Definition und Klassifikation von ADHS
  • Kernsymptome: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität
  • Subtypen / Präsentationsformen
  • Abgrenzung zu Normvarianten und anderen Störungen

Kapitel 3 – Ursachen, Pathophysiologie & Neurobiologie

  • Genetische Faktoren
  • Neurobiologische Grundlagen (Dopamin, Noradrenalin)
  • Gehirnentwicklung und exekutive Funktionen
  • Umweltfaktoren und ihr begrenzter Einfluss


Kapitel 4 – Screening & strukturierte Diagnostik

  • Diagnostische Kriterien (DSM, ICD)
  • Ablauf der ADHS-Diagnostik
  • Differenzialdiagnosen
  • Grenzen von Selbsttests und Screenings
  • Abgrenzung ärztlicher Aufgaben von Apothekenberatung


Kapitel 5 – Pharmakotherapie

  • Therapieprinzipien bei ADHS
  • Stimulanzien (z. B. Methylphenidat, Lisdexamfetamin)
  • Nicht-Stimulanzien (z. B. Atomoxetin, Guanfacin)
  • Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Monitoring
  • Besonderheiten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen


Kapitel 6 – Nicht-medikamentöse Therapieansätze

  • Verhaltenstherapie und Psychoedukation
  • Elterntraining und Umfeldinterventionen
  • Schulische und berufliche Unterstützungsmaßnahmen
  • Kombination mit medikamentöser Therapie (multimodales Konzept)


Kapitel 7 – Rechtliche Rahmenbedingungen im Apothekenalltag

  • BtM-Recht und ADHS-Arzneimittel
  • Abgaberegeln, Dokumentationspflichten
  • Retaxrisiken und Haftungsfragen
  • Beratungspflichten und Kompetenzgrenzen


Kapitel 8 – ADHS im familiären und sozialen Kontext

  • Belastungen betroffener Familien
  • Auswirkungen auf Eltern, Geschwister und Partnerschaften
  • Erziehungsstrategien und familiäre Ressourcen
  • Rolle von Schule, Kindergarten und Jugendhilfe
  • Beratungsansätze in der Apotheke


Kapitel 9 – Alltag und Erwachsene mit ADHS

  • Symptomatik im Erwachsenenalter
  • Berufliche, soziale und organisatorische Herausforderungen
  • Komorbiditäten und Langzeitfolgen unbehandelter ADHS
  • Therapieoptionen bei Erwachsenen
  • Selbstmanagement und Alltagsstrategien


Kapitel 10 – Wirtschaftliche Aspekte von ADHS und apothekerischer Versorgung

  • Direkte und indirekte Krankheitskosten
  • Volkswirtschaftliche Bedeutung von ADHS
  • Bedeutung kontinuierlicher Versorgung
  • Wirtschaftliche Relevanz für Apotheken


Kapitel 11 – Beratung in der Apotheke

  • Rolle der Apotheke im multimodalen ADHS-Management
  • Gesprächsführung mit Patient:innen und Angehörigen
  • Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel (evidenzbasiert)
  • Lebensstilberatung (Bewegung, Schlaf, Medienkonsum)
  • Interaktionsmanagement und Polymedikation
  • Erkennen von Beratungsgrenzen und Weiterverweisung


Kapitel 12 – Versorgungslage und strukturelle Herausforderungen bei ADHS

  • Aktuelle Versorgungssituation in Deutschland
  • Regionale Unterschiede und Altersunterschiede
  • Wartezeiten, Fachkräftemangel, Kapazitätsengpässe
  • Rolle von Hausärzt:innen, Fachärzt:innen und Therapeut:innen
  • Fehl- und Unterversorgung (insbesondere Erwachsene)
  • Apotheke als niedrigschwelliger Ankerpunkt
  • Gesundheitspolitische Reformansätze und Zukunftsperspektiven


Dauer und Beginn

  • Bearbeitung während der Berufszeit oder von zu Hause zu individuell planbaren Zeiten
  • Der Kurs kann jederzeit begonnen werden.
  • Die Abschlussprüfung kann zweimal jährlich in einem Zeitfenster von März bis Mai und September bis November abgelegt werden.
  • Empfohlene Lernzeit: 4 bis 6 Monate

Ablauf des Fernkurses

  • Anmeldung via Online-Anmeldung oder Anmeldeformular.
  • Erhalt der Fernkursunterlagen, die bei der Teilnehmerin/dem Teilnehmer verbleiben sowie Zugang zur Online-Academy.
  • Studium in Eigenregie mit Selbstkontrolle anhand gelieferter Kontrollaufgaben. Bei Unklarheiten stehen wir telefonisch zu den Service-Zeiten oder via E-Mail zur Verfügung.
  • Die Zwischenprüfungen (Multiple Choice) sollten begleitend während des Fernkurses absolviert werden, da sie sich jeweils auf verschiedene Lernabschnitte beziehen.
  • Die Abschlussprüfung erfolgt ebenfalls online in den Zeitfenstern März bis Mai und September bis November. Innerhalb dieser Zeitfenster kann die Prüfung jederzeit abgelegt werden.
  • Nach erfolgreichem Abschluss der Online-Abschlussprüfung erhält der/die Teilnehmer/in ein Zertifikat.

Kosten
Die Gesamtkosten betragen 400,00 EUR zzgl. 76,00 EUR MwSt. (476,00 EUR brutto).
Die Zahlung der Kursgebühr ist vor Kursbeginn fällig.


Zielgruppe

  • PTA
  • Pharmazie-Ingenieure
  • Approbierte Apothekerinnen und Apotheker, z. B. auch Filialleiter
 
 
 
 
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